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Tradition und Moderne hinter der Schieferfassade

Das Haus nach dem Umbau im Jahre 2010.

Aus Alt mach Neu: Wie aus einem 50er-Jahre-Haus ein modernes Eigenheim mit Stil und Charme entstand

Kleine, dunkle Räume, mehrfach um- und angebaut, im schlimmsten Fall total verbaut: So präsentieren sich vielfach Häuser aus den 50er- und 60er-Jahren ihren heutigen Besitzern. Da weder die Raumaufteilung noch der energetische Zustand modernen Bedürfnissen genügt, bleibt nur die Total-Sanierung als Alternative zum Abriss. Wie dabei mit einem klaren Konzept aus einem geerbten Haus ein modernes Schmuckstück werden kann, haben Architekten in Westfalen gezeigt. Die Substanz wurde erhalten – und eine elegante Schieferfassade verbindet den nostalgisch-charmanten Altbau mit dem kubischen Neubau.

 

„Das Haus hatte durch viele Um- und Anbauten sogar seinen ursprünglichen 50er-Jahre-Charme verloren“, beschreibt Architektin Katrin Wilshues den Zustand vor der Modernisierung. Zudem war die Küche komplett verbaut, ein größeres Bad fehlte. Die Bauherren, ein junges Paar, wünschten sich mehr Klarheit, eine energetische Sanierung auf Neubauniveau - und vor allem mehr Raum. Deshalb sollte das Haus noch einmal erweitert werden, diesmal aber aus einem Guss – und unter dem Leitmotiv: „Gutes bewahren, Neues schaffen.“ Und preiswerter als ein Neubau sollte es ebenfalls sein.

 

 „Wir sind dann bei der Planung daran gegangen, alles Verbaute sozusagen einzufangen und das Haus unter ästhetischen Gesichtspunkten aufzuräumen“, so die Architektin. Dabei entstand die Idee, mit Gegensätzen zu arbeiten und diese konsequent zu trennen: alt und neu, offen und geschlossen, schwarz und weiß. Das alte Haus mit Satteldach wurde so saniert, dass sein 50er-Jahre   Charakter wieder deutlicher zum Vorschein kam, beispielsweise in den Fensterformen. Dem wurde ein Neubau mit kubischen, schlichten und durchdachten Formen gegenübergestellt. Die großzügigen über Eck angeordneten und fest verglasten Fenster stehen im Kontrast zu Holzfronten, die sich statt der Fenster öffnen lassen. Und der weiß verputze Altbau bietet einen interessanten Gegenpol zur samtig schimmernden blau-grauen Schieferfassade des Neubaus.

 

Die Entscheidung, den Anbau mit einem traditionellen Naturmaterial zu bekleiden, fiel den Bauherren leicht, sprachen doch alle Argumente für Schiefer. „Wir wollten ein hochwertiges Material, das diese Wertigkeit auch ausstrahlt, wir wollten einen Kontrast, der durch die dunkle Farbe gegeben ist und der Neubau sollte sich auch harmonisch in die Umgebung einfügen - was er tut, denn Schiefer ist seit vielen Jahrhunderten ein traditioneller Baustoff mit herausragenden Eigenschaften“, erklärt Katrin Wilshues vom Iserlohner Architekturbüro Borchmann. Schiefer spreche eben für sich, auch was den Preis anbelange. So ist es gelungen mit einem Jahrtausende alten Naturprodukt aus den Tiefen der Erde alt und neu zu verbinden und mit einem anspruchsvollen, modernen Design Zeichen zu setzten. Zudem ist Schiefer langlebig, frei von Schadstoffen und mit wenig Aufwand zu pflegen. Sollte doch einmal ein Stein aus irgendeinem Grund beschädigt werden, kann er einfach ausgetauscht werden – denn Schiefer ist in gleich bleibender Qualität jederzeit nachlieferbar.

 

Vor allem aber durch die Art der Deckung ist es gelungen, den bewährten Baustoff völlig neu zu interpretieren. Architekten und Bauherren entschieden sich für die wohl außergewöhnlichste Schiefer-Deckart für die Fassade: Die „Dynamische Rechteck-Deckung“ – neu entwickelt vom deutschen Marktführer Rathscheck Schiefer aus der Eifel. 10, 15 und 25 Zentimeter hohe und jeweils 55 Zentimeter breite Schiefer-Steine wurden scheinbar wild durcheinander angeordnet, was dem natürlichen Charakter des Natursteins besonders entspricht und dem Anbau eine ganz besondere Note verleiht. Was sich kompliziert anhört, erwies sich auf der Baustelle bei der Montage als einfach. „Für uns war die neue Deckart eine Premiere. Aber es ging alles erstaunlich zügig“, erinnert sich die Architektin. Nicht nur der kubische Neubau wurde mit Schiefer bekleidet, auch die Garage wurde rundum in „Dynamischer Rechteck-Deckung“ erneuert. Als besonderes Highlight ließen sich die Architekten eine so genannte „Tapetentür“ einfallen. Dafür wurde die hintere Tür der Garage, die in den Garten führt, ebenfalls mit Schiefer bekleidet - und zwar flächenbündig mit der sie umgebenden Fassade. So wissen nur die Hausherren, wo sich in der Fassade der Eingang befindet.

 

Energetisch präsentiert sich das einst zugige Erbstück heute auf Neubauniveau. Der Altbau wurde herkömmlich gedämmt und zwischen Holzunterkonstruktion und Schieferfassade des Neubaus wurde Dämmmaterial eingeblasen. So bleibt es im Sommer angenehm kühl und im Winter mollig warm im frisch sanierten Haus. Zum durchdachten Energiekonzept gehört auch ein moderner Holzofen, der im Winter, wenn das Feuer lodert, zusammen mit dem Blick durch die großzügig verglasten Fensterfronten in den großen Garten, für ein heimeliges Gefühl sorgt.

 

Egal ob Sommer oder Winter, die neuen Hausbesitzer freuen sich täglich über die vielen durchdachten Details. Dazu kommt die neu gewonnene Wohnqualität. Durch den rund sechs Monate dauernden Umbau entstanden ein großzügiger Wohn- und Essbereich, eine neue Küche sowie ein den Schlafräumen angegliedertes Luxusbad im ersten Stock. Insgesamt wurde das Haus um 30 Quadratmeter größer. Mit knapp 180 000 Euro Umbaukosten konnte ein günstiges Konzept aus einem Guss umgesetzt werden, das nicht nur bei den stolzen Hausbesitzern gut ankommt. Selbst der Experte von der Bauaufsicht, der am Ende zur Bauabnahme kam, war begeistert: „Dieses Haus ist ganz außergewöhnlich“.

 

Infos, Bauherrenbroschüre und Beispiele für Schiefer und moderne Architektur: Rathscheck Schiefer, St.-Barbara-Str. 3, 56727    Mayen-Katzenberg, Telefon: 02651/9550, www.schiefer.de