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Das Wort "Dach" - die Entstehung

Dachziegel der Firma Braas

Wortherkunft, Bedeutung und Geschichte des Daches im Überblick

Wortherkunft / Bedeutung 1)

Aus dem Mittelhochdeutschen dach = Bedeutung, Verdeck, das Oberste, Höchste, Schirmende, Dach.

Aktuell wird mit dem Begriff "Dach" das Geneigte Dach verbunden im Gegensatz zum Begriff "Flachdach".

Geschichte des Geneigten Daches 2)

Das Dach war ursprünglich nicht der Abschluss eines Hauses, sondern eine selbständige Konstruktion: der auf den Boden oder über eine flache Grube gestellte wetterabwehrende Schirm; es ist also geschichtlich älter als das Haus. Es sind mehrere Urformen anzunehmen:

   1. der ebene schräggestellte Wetterschirm; aus ihm entstand das Sattel-Dach mit Giebel oder Walm;
   2. das spitze Stangenzelt; aus ihm entstanden das runde Kegel- und das kantige Zelt-Dach;
   3. das kuppel- oder tonnenförmige Dach aus Flechtwerk mit Matten- oder Lehmmantel;
   4. das platte Schutz-Dach auf Pfosten mit Blätter oder Lehmschicht; aus ihm entstanden die Pult-Dächer aller Art.

Vertreter dieser Urformen und nächsten Entwicklungsstufen gibt es heute noch in allen Teilen der Erde. Bauart und Neigung des Daches wurden zunächst vom Klima und von den vorhandenen Deckungsstoffen bestimmt, erst in entwickelteren Kulturstufen auch von gestalterischen Absichten.

Antike.
In Ägypten und Vorderasien trugen Wohnhäuser Schilf-, Stroh- oder Laubdächer, Tempel und Häuser daneben auch überwiegend geneigte aus Steinbalken oder Holzstämmen bestehende Dächer. Auch das alte Megaronhaus und die ältesten Tempel und Paläste in Griechenland waren flach, während seit hocharchaischer Zeit für den Tempel- und Hausbau schwachgeneigte Sattel- und Walmdächer, von der Konstruktion her Pfettendächer, vorherrschend wurden. Erst im Hellenismus, als größere Spannweiten zu überwinden waren, trat das auf dem Dreiecksverband beruhende Dach auf. Die römische Architektur kannte bereits das Hänge- und Sprengwerk bis zu seinen kompliziertesten Formen. Die Dachhaut bestand seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. aus gebrannten Dachziegeln auf der durch eine Lehmschicht abgedichteten Holzverschalung des Dachwerks. Im Tempelbau verwendete man seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. Marmorplatten.

Für die äußere Erscheinungsform des Daches entscheidend war beim griechischem und etruskischen Tempel der Dachschmuck aus Akroterien, Sima, First- und Traufziegeln.

Mittelalter.
Neben dem aus der griechisch-römischen Tradition stammenden Pfettendach wird das aus der nordeuropäischen Zimmermannskunst entstandene Sparren und Kehlbalken-Dach von entscheidender Bedeutung, dessen technische Möglichkeiten dem Bestreben der gotischen Architektur nach überhohen und steilen Dachformen entgegenkommen (besonders Hallenkirchen, norddt. Giebelhäuser). Auch die schlanken Turmbedachungen in Zelt- oder Kegelform (Holzkonstruktion, Stein oder durchbrochenes Maßwerk) entspringen demselben Stilgefühl. Die Dachdeckung bestand im Kirchenbau vornehmlich aus Ziegel- und Steinplatten, im Hausbau landschaftlich differenziert aus Stroh, Rohr, Holzschindeln oder Stein (Ziegel, Schiefer, Sand- und Kalkstein).

Neuere Zeit.
Konstruktiv haben die folgenden Jahrhunderte vom Mittelalter gezehrt, aber durch gesteigerte statische Kenntnisse die Dachstühle vereinfacht und deren Formen dem jeweiligen Zeitstil angeglichen. Die im 17. Jahrhunder in Frankreich neugeschaffene Form des Mansardendaches und die geschwungenen Profile der Dächer und Türme (welsche Hauben) gehören zu den typischen barocken Dachsilhouetten.

Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts sind die gußeisernen Dachkonstruktionen mit oft beachtlichen Spannweiten, meist als verglaste Werks- und Ausstellungshallen, Palmenhäuser, Bahnhofshallen. Die maschinelle Fertigung von Dachsteinen und Pressdachziegeln ist seit der Mitte des 19. Jahrhundert bekannt.

1) Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache
2) Sinngemäß aus: Brockhaus, 1976